Faszien, Antagonisten, Ruhetonus und Härte

Faszien, Antagonisten, Ruhetonus und Härte

Beitragvon Zorn » 09 Nov 2009, 11:46

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kran --- kai --- 22.04.2007
Sag mal, beim Ansehen Deiner Website wg. des 'Krans' sind mir ein, zwei Kleinigkeiten aufgefallen:
- Du schreibst:
'Weniger bekannt ist, dass die Faszien ebenso reich mit diesen Rezeptoren ausgestattet sind . Das macht auch Sinn, denn Rezeptoren in den langen Faszien können viel genauer als diejenigen in den kurzen Bändern den Winkel zwischen zwei langen Knochen messen.'

Der letzte Satz ist mir nicht ganz klar: Wenn beide 'Messbänder' im gleichen Abstand um das Gelenk laufen, werden sie bei Beugung desselben doch um den gleichen absoluten Betrag gedehnt (so wie unsere ludo-Federn bei der Rotation). Das ergibt für das kürzere Band doch eine größere relative Dehnung pro Winkel, weshalb ist dann die Messung im langen Band (= Faszie) genauer?
-und:
'Das ist vielleicht nicht jedem Fitness-Trainer bewusst, aber unser Bewegungsgehirn weiß das ganz genau. Daher reagiert es auf jede Muskelstärkung auf einer Seite mit einer exakt gleichen Muskelstärkung auf der entgegengesetzten Seite. Auf diese Weise ist kaum eine Haltungsänderung zu bewirken. Alles, was in einem solchen Fall geschehen könnte, wäre nur, dass die umschlossenen Gelenke in Zugspannungen von beiden Seiten, also eine Art Schraubstock, geraten würden. (Im richtigen Zusammenhang kann Muskelaufbau natürlich viel Sinn machen.)'

Wird der Antagonist durch das Muskeltraining wirklich in gleichem Maße GESTÄRKT (physiologisches Potential zur funktionellen Kraftentfaltung gegen einen externen Widerstand, z.B. eine Hantel), oder wird nicht eher sein Ruhetonus an den des trainierten Muskels angepasst? Ich habe jahrelang fast nur den trizeps trainiert (für die WT-Fauststöße), und natürlich konnte ich meinen Arm trotzdem in jedem gewünschten Winkel halten. Aber mein biceps ist dabei (fast) überhaupt nicht gewachsen und wurde auch nicht signifikant stärker. Müsste man das nicht unterscheiden -gerade im Hinblick auf die Argumentationslinien der diversen 'Muskelstärkungstherapien' (ebenso wie den reinen 'Dehnungs-Ansätzen')?
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Re: kran --- az --- 22.04.2007
kurze baender, lange faszien:
du hast insofern recht, als die laenge oder kuerze der faszien oder baender bedeutungslos ist. allerdings liegen die faszien in der regel weiter vom gelenk weg als die gelenkbaender. d.h. sie laufen eben nicht im gleichen abstand um das gelenk.
ruhetonus antagonisten:
genau genommen ist es wahrscheinlich so:
sicher man kann den triceps extrem trainieren ohne das der biceps staerker wird. wenn man aber den triceps trainiert, DAMIT sich der ruhetonus und damit die ruhehaltung veraendert und wenn das tatsaechlich von erfolg gekroent sein sollte, dann wird i.a. auch der ruhetonus des antagonisten zunehmen (was nicht heisst, dass seine maximalkraft zunehmen muss). und wenn beide ruhe-tonuesse zugenommen haben, dann hat sich zwar der ruhedruck im gelenk erhoeht, aber in der regel nicht die haltung veraendert. die haltung ist eben nicht das ergebnis von 'muskulaeren dysbalancen' (populaere medizinische diagnose, die newton vergewaltigt), sondern einer suboptimalen funktion des bewegungsgehirns (falsche sollwerte fuer die regelkreise). dass stretching nur in ausnahmefaellen den ruhetonus der gedehnte muskeln veraendert, ist uebrigens nachgewiesen, auch wenn die halbe physiotherapie darauf beruht.
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Re: Re: kran --- kai --- 22.04.2007
Ja, so hatte ich Deinen Text auch verstanden. Passt auch zu der oft diskutierten Frage, ob Krafttraining 'hart' und 'unbeweglich' macht:
'Hart' wird man im Kopf (hoch eingestellte Sollwerte für den Tonus), nicht durch das Training an sich.
Was mir dazu allerdings 'physiologisch' noch -rein als Hypothese- eingefallen ist: Kann man den o.beschr. Zustand (gut trainierter triceps, physiologisch schwacher biceps mit kompensatorisch entspr. hoch eingestelltem Tonus) als 'muskuläre Dysbalance' bezeichnen? Könnte es sein, dass ein durch den permanent eigentlich 'zu hoch' eingestellten Tonus gewissermaßen dauererschöpfter (weil physiologisch weniger 'fitter') biceps bei Aktionen verletzungsanfälliger ist, und/oder schon durch die Dauerspannung zur Ausbildung von Überlastungsproblemen wie 'Triggerpunkten' (was immer das genau ist...) neigt?
Laut M. Todd soll ein erhöhter Tonus ja eigentlich den Muskel vor Ermüdung schützen(?).
erhöhte Stoffwechelrate, bessere Durchblutung und besser 'geschmiertes' (Wassergehalt) Gewebe, usw...) erworben ist?
Warum haben trainierte Sportler mit hohem Tonus i.d.R. (?) weniger Schmerzen als stress-'ver-spannte' Sitzmenschen?
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Re: Re: Re: Re: kran --- az --- 22.04.2007
Ja, so hatte ich Deinen Text auch verstanden. Passt auch zu der oft diskutierten Frage, ob Krafttraining 'hart' und 'unbeweglich' macht:
'Hart' wird man im Kopf (hoch eingestellte Sollwerte für den Tonus), nicht durch das Training an sich.

ich denke, je realitaetsnaeher das dschungeltraining ist, desto weniger kann man dabei hart werden.
Was mir dazu allerdings 'physiologisch' noch -rein als Hypothese- eingefallen ist: Kann man den o.beschr. Zustand (gut trainierter triceps, physiologisch schwacher biceps mit kompensatorisch entspr. hoch eingestelltem Tonus) als 'muskuläre Dysbalance' bezeichnen? Könnte es sein, dass ein durch den permanent eigentlich 'zu hoch' eingestellten Tonus gewissermaßen dauererschöpfter (weil physiologisch weniger 'fitter') biceps bei Aktionen verletzungsanfälliger ist, und/oder schon durch die Dauerspannung zur Ausbildung von Überlastungsproblemen wie 'Triggerpunkten' (was immer das genau ist...) neigt?

nein.
'dysbalance', 'eigentlich', 'zu hoch', 'dauererschoepft' ist wahrscheinlich alles unsinn. was es wirklich gibt ist belastung und (fehlende) anpassung und (fehlende) steuerung. wenn du deinen bizeps nicht brauchst, dann wird er schwach. na und ? das macht doch nichts, wenn du ihn nicht brauchst. wenn der tonus oft sehr hoch ist, dann wird sich der bizeps genau daran anpassen und es wird keine dauererschoepfung geben. wenn er NIE losgelassen wird, dann ist das eine fehlsteuerung.
Ich frage mich, ob das so immer gilt, oder nur dann, wenn der Tonus durch physiologisches 'Training' ( erhöhte Stoffwechelrate, bessere Durchblutung und besser 'geschmiertes' (Wassergehalt) Gewebe, usw...) erworben ist?

nein. ich denke, der punkt ist nur, das phasische muskulatur zwischendurch immer mal ausruhen koennen muss.
Warum haben trainierte Sportler mit hohem Tonus i.d.R. (?) weniger Schmerzen als stress-'ver-spannte' Sitzmenschen?

du musst unterscheiden profis und amateure.
erfolgreiche profis lernen loslassen. oder sie bleiben auf der strecke. d.h. sie haben keinen sehr hohen ruhetonus. da gibt es einfach eine auslese.
deshalb sind sie ja z.b. der schrecken der anaesthesisten. niemandem sonst bleibt so leicht das herz stehen.
hart trainierende amateursportler sind hochgradig unfall- und schmerzgefaehrdet.
abgesehen davon: egal was du hast, bewegung macht es langfristig besser.
Zorn
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